Dienstag, 19. Juli 2011

Heute schon gefingert?

Dass ständig irgendwelche Zettel neben der Klingelanlage unseres neuen Wohnhauses hängen, ist wohl normal. Gestern z. B. wurde der alte, der irgendwas über 'neue Stromleitungen verlegen' und 'Parkverbot von x bis y' verzapfte, durch einen neuen ersetzt. Dieser wird wohl die nächsten 12 Monate da hängen, denn so lang soll die "Umgestaltung der Birkenstraße"dauern, die der Zettel ankündigt. Da hämmert's mir natürlich. Es sind jetzt mind. 2 Dinge offiziell:

1. Die Birkenstraße hat eine "Umgestaltung" nötig. (Sehr diplomatisches Wort übrigens - muss ich mir unbedingt merken für Fragen wie: "Na, wie seh ich aus?" - "Ach du hast nur ein kleines bisschen Umgestaltung nötig. So 12 Monate. Höchstens!")

2. Düsseldorf HASST uns. Die Groß- und Langzeitbaustelle direkt vor der Türschwelle ist der endgültige Beweis.

Nicht zu vergessen die Therme, die am Sonntag schon wieder einen Warmwasserstreik begonnen hat. Der Techniker, den wir sicher bald duzen - man kennt sich ja jetzt, ne - meint, dass kann auch so weiter gehen, es sei halt viel Luft im System und das seien alte Rohre und das sei aber beim Vormieter nicht so gewesen, das müsse jetzt schon irgendwie mit der Renovierung der Wohnung was zu tun gehabt haben. Aha. Wie gut, dass mein Mann sich um diese Sachen kümmert. Er ist der Geduldigere von uns beiden. Deswegen darf er auch immer den guten Cop spielen - und ich MUSS den bösen Cop spielen. Ich motz den Handwerker/Vermieter/Möbelpacker an, wieso er seinen Job nicht richtig macht, und mein Mann kriegt die dann mit der Männersolidaritäts-Masche "so tut doch was, sonst muss ich mir das noch die ganze Woche anhören!"


Und das war auch schon die tägliche Motz-Dosis.  Vielleicht zum Abschluss noch etwas Positives. Hm. In knapp 3 Wochen habe ich es geschafft, in keinen der 451 Hundehaufen auf den Bürgersteigen zu treten. Wenn ich 4 Wochen schaffe, dann gebe ich eine Party und verteile kostenlos Hundekotbeutel in der neuen Hood. Ich denke, frau muss sich doch mit einer netten Geste bei den Nachbarn beliebt machen.

Also ihr wisst bescheid: Falls ich in den nächsten Tagen verschwinde - es war kein Unfall ;o) Die Flingerer waren's! Die nennen sich hier übrigens Flingeraner. Ich kann sie so nicht nennen. Bei flingeran denke ich an filigran - und da blockt's...

Schwer zu diskutieren, ob Flingeraner legitim sind, Duden kennt sie ja nicht. Bei meiner online Recherche, ob es flingern als Verb gibt, fragte Duden, ob ich fingern meine. Also ich muss doch sehr titten!




Ich zeig dir den Flinger!

Samstag, 9. Juli 2011

Ich flingere, du flingerst, er/sie/es flingert, wir flingern...

Gehörte ich zur Duden-Redaktion, würde ich alles dafür tun, dieses Verb in das deutsche Vokabular einzuführen. Aber ich dudle nicht. (Hierzu: Sprichst du noch oder dudelst du schon?)
Trotzdem muss ich sagen: Noch nie hat sich der Name eines Stadtteils morphologisch besser zur Implementierung in die bestehenden grammatischen Strukturen geeignet! Ich bin förmlich überflingert von den sprachlichen Möglichkeiten, die sich in Flingern auftun. Ja, beim Fling, das bin ich!

Diese schamlose Flingerisierung müsst ihr mir, bitte, verzeihen. In mir schlägt nun einmal das Herz einer, die  mal Sprachwissenschaften studiert hat. Vielleicht kennt ihr ja auch Stadtteilnamen, die sich super konjugieren, deklinieren oder anderswie grammatisch umformen lassen? Falls ja, dann lasst hören – vielleicht ist ja etwas dabei, was tatsächlich später einmal in den normalen Sprachgebrauch aufgenommen wird und dann können wir uns auf die Schulter klopfen und sagen: Das haben wir initialisiert! Wäre das nicht überflingernd! O.K., der Schuss ging nach Flingern los. Ich kann's nicht mehr lassen. Ich habe mich angeflingert. UND ES WIRD ZEIT, EUCH MITZUTEILEN, WARUM: Ich bin letzte Woche mit meinem Mann nach Düsseldorf, Flingern, gezogen. Meine geliebte Wahlheimatstadt Frankfurt muss nun ohne mich klar kommen. Leb wohl, Goethe – helau, Düsseldorf! Schreck, lass nach!

Düsseldorf mag uns nicht. Es heißt uns mit grottenschlechtem Wetter willkommen. Es hat uns in eine Straße verschlagen, in der überdurchschnittlich viele Opfer  – wie mein Mann sie lieblos nennt – herumlaufen. In den restlichen Straßen wimmelt es nur so von nobler Düsseldorfer Arrogantia. Unsere – immerhin sehr schöne – Wohnung hatte schon am ersten Tag ein verstopftes Rohr und die restlichen Tage ließ sie uns bar warmen Wassers. Das können natürlich auch alles kleine, ironische Zufälle sein. Da wird es doch verständlich, dass frau sich  in dieser series of unfortunate events freut, wenn wenigstens der Name des neuen Wohnviertels etwas für die Seele hergibt. Düsseldorf mag uns also nicht und wir mögen es auch nicht. Noch nicht. Ich erinnere mich an die Anfangszeit in Frankfurt – die war zwar anders schwierig, aber schwierig nichtsdestotrotz.

Alle anderen Straßen in Flingern sind besser. Aber mein Mann und ich, wir werden auch diese elende Birkenstraße gentrifiziert bekommen. Ja, beim guten Fling, das werden wir! Warum sollten es immer die hippen Straßen sein? Das wäre doch langweilig. Gar keine Herausforderung. Wir sind doch keine Warmduscher! 

Ich sage ja nicht, dass ich gern in „sozialen Brennpunkten“ lebe, aber mir gefällt ein urbaner, zuweilen auch rauer Mix. Und damit meine ich wirklich einen Mix, und nicht diese gemäßigten, spießigen Reste dessen, was eine prosperierende Künstlergegend zu sein pflegte, dann aber Kultstatus erlangte und dann an denselbigen ihre Souveränität verlor. Die Überflutung der coolen, alternativen, lebendigen, Gegenden, die auf Kunst und nicht auf Geld setzen, durch ihre möchtegern-coolen und viel weniger alternativen Anhänger ist ein unumgängliches Schicksal.  Weil diese Gegenden so ECHT sind, also eine richtige Seele, nein, viele richtige SEELEN haben, bekommen sie schnell Anhänger, die sich dem Geldverdienen verschrieben haben, solchen mit kaum Selbstzersörungs- aber umso mehr Fortpflanzungsdrang, mit Kinderwagen und bio-fähigen Gehältern. Versteht mich nicht falsch, das mit dem Geldverdienen ist vollkommen in Ordnung. Das Problem ist, dass die Yuppies selten mit den Alternativos klarkommen. Sie können selten Tür an Tür  mit ihnen koexistieren, ohne sich unbehaglich zu fühlen. 

Die Yuppies strömen also in die  (sich dank armer, junger Künstler und Studenten verwandelnden) Underdog-Viertel und treiben mit ihren besseren Gehältern die Mieten in die Höhe. Das hat zur Folge, dass die jungen Wilden sobald die Verwandlung etwas vorangeschritten ist, ganz aus dem Viertel, der Straße etc. verdrängt werden. Das Kultviertel wird zur Spießergegend. So ist der Lauf der Dinge. 

Und in Flingern flingern jetzt die Frankfurter Nordender – da kann sich die Flingerer Birkenstraße auf etwas gefasst machen! Gestern hat sich mein Mann schon ein Fahrrad für seinen noch ungezeugten Sohn ausgesucht. Die Birkenstraße weiß gar nicht, wie kurz sie vor der ultimativen Nordendisierung steht!

Donnerstag, 23. Juni 2011

Lenore Kandel: GOD/LOVE POEM


there are no ways of love but / beautiful /
I love you all of them

I love you / your cock in my hands
    stirs like a bird

in my fingers
as you swell and grow hard in my hand
forcing my fingers open
with your rigid strength
you are beautiful / you are beautiful
you are a hundred times beautiful
I stroke you with my loving hands
pink-nailed long fingers

I caress you
I adore you
my finger-tips… my palms…
your cock rises and throbs in my hands
a revelation / as Aphrodite knew it

there was a time when gods were purer
/ I can recall nights among the honeysuckle
our juices sweeter than honey
/ we were the temple and the god entire/


I am naked against you
and I put my mouth on you slowly
I have longing to kiss you
and my tongue makes worship on you
you are beautiful

your body moves to me
flesh to flesh
skin sliding over golden skin
as mine to yours
my mouth my tongue my hands
my belly and my legs
against your mouth your love
sliding…sliding…
our bodies move and join
unbearably

your face above me
is the face of all the gods
and beautiful demons

your eyes… 

love touches love
the temple and the god
are one